Jubelnd fielen sich Sarie Stapelfeldt und Torhüterin Lena Gansor-Kaatz in die Arme, tanzten mit den anderen Handballerinnen der Lauenburger SV ausgelassen im Kreis. Das 23:23 im Spitzenspiel der Schleswig-Holstein-Liga gegen den HC Treia/Jübek feierten die Elbdiven wie einen Sieg. „Wir hatten in dieser Saison schon so oft in der Schlussphase Pech“, erinnerte Gansor-Kaatz, „dieses Mal hat es hingehauen.“

Zwei Minuten vor Schluss, als die Spannung beim Stand von 22:22 ihren Höhepunkt erreichte, hatte Tabellenführer Treia/Jübek die Uhr im Stile eines Champions heruntergespielt und 14 Sekunden vor Schluss das 23:22 erzielt. Doch die Elbdiven blieben cool und reagierten blitzschnell: Rechtsaußen Sarie Stapelfeldt traf zwei Sekunden vor Schluss aus spitzem Winkel zum 23:23-Endstand.

Youngster mit starken Nerven

Ausgerechnet sie! Um die Emotionen zu verstehen, die sich danach entluden, muss man die Vorgeschichte kennen. Zwei Wochen zuvor, beim Heimspiel gegen die HSG Tills Löwen (35:24), war Sarie Stapelfeldt kurz vor Schluss, als die Partie längst entschieden war, gleich dreimal hintereinander allein auf die gegnerische Torhüterin zugelaufen und versemmelte alle Würfe.

Doch weil neben der langzeitverletzten Sarah Lemmermann (Kreuzbandriss) mit Lena Mehrkens (krank) und Maren Knakowski (Ellenbogen) gleich zwei weitere Stammkräfte passen mussten, war LSV-Coach Carsten Mahnecke gezwungen umzubauen. Rechtsaußen Suelin Demir rückte nach innen, dafür spielte Sarie Stapelfeldt auf der rechten Seite. Ein Glücksgriff. Die 19-Jährige agierte klug und behielt dieses Mal im entscheidenden Moment die Nerven.

Bärenstarker Tabellenführer

Dass die Elbdiven gegen bärenstarke Gäste überhaupt lange genug in der Partie geblieben waren, um am Ende einen Punkt zu retten, hatten sie Vanessa Wulf zu verdanken, die als einzige im Rückraum Gefahr ausstrahlte. Mit sechs Treffern hatte sie in der ersten Hälfte entscheidenden Anteil daran, dass die Elbdiven zur Pause nur mit 10:11 zurücklagen.

Dann machte Treia einen entscheidenden Fehler: Zu Beginn der zweiten Hälfte nahmen sie Wulf kurz. Das schuf Räume für die anderen. Demir, die bis dahin kaum etwas gerissen hatte, erzielte nun fünf Tore binnen zehn Minuten. Die LSV zog auf 17:13 davon, bevor Treia die 5:1-Deckung wieder aufgab.

Am Ende schwinden die Kräfte

Doch nun schwanden bei den Gastgeberinnen die Kräfte. Nicht zuletzt, weil die Partie knüppelhart geführt wurde. Schon beim allerersten LSV-Angriff nach 44 Sekunden war Rückkehrerin Lena Blaschke schreiend zu Boden gegangen und fiel mit verdrehtem Knie für den Rest des Spiels aus.

Kurz vor Schluss krümmte sich dann Demir mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden. Die Treia-Spielerin Sarah Steltner hatte ihr Knie gegen das der Lauenburgerin gerammt. Doch Demir rappelte sich wieder auf, und ihre Mitspielerinnen zahlten mit gleicher Münze heim. Nur Sekunden später humpelte Steltner mit knallrotem Knie auf die Gäste-Bank. Dass die Schiedsrichter angesichts solcher Vorfälle gänzlich ohne Zeitstrafen auskamen, war ein schlechter Witz.

LSV-Tore: 
Demir (10), Wulf (7/3), S. Stapelfeld (3), Manthey (2), Krajewski (1).

Quelle: Bergedorfer Zeitung